Hin- vs. Rückrunde: die größten Einbrüche

Die Rückrunde der aktuellen Bundesligasaison hat begonnen und alle Teams hoffen, in der Rückrunde mehr Punkte zu sammeln als in der ersten Halbserie. In Köln beispielsweise fragt man sich, ob nach der grauenhaften Hinrunde der Klassenerhalt überhaupt noch möglich sein kann. Und wie sicher dürfen sich etwa Eintracht Frankfurt, der FC Augsburg oder Aufsteiger Hannover 96 fühlen? Aufgeteilt auf zwei Artikel schauen wir uns in diesem Zusammenhang einmal an, welches die bislang größten Comebacks aber auch die schlimmsten Einbrüche nach der Hinrunde in der Bundesligageschichte waren. Getreu dem Motto „die schlechte Nachricht zuerst“ widmen wir uns heute zunächst den gravierendsten Fällen, bei denen auf eine oftmals starke Hinrunde eine besonders schwache Rückrunde folgte. Ausschlaggebend für das Ranking war dabei die Differenz der gesammelten Punkte einer Mannschaft aus den ersten im Vergleich zu den letzten 17 Spielen. Gleich zweimal taucht dabei übrigens die Eintracht aus Frankfurt auf … Los geht’s mit einem geteilten dritten Platz:

Platz 3-5: Borussia Dortmund in der Saison 1999/2000

Um die Jahrtausendwende hatte der BVB keine leichte Zeit. Konnte man die Hinrunde unter Michael Skibbe noch auf einem ordentlichen 5. Platz beenden, ging nach der Winterpause fast nichts mehr. Nach 28 Punkte in der ersten Halbserie folgten in den letzten 17 Spielen gerade mal 12 weitere (16 Punkte Differenz). Nur 2 Siege gelangen dem BVB in der Rückrunde. Nach der Entlassung von Skibbe im Februar folgte Bernd Krauss, doch er blieb nicht mal bis zum Saisonende, sondern wurde schon im April von Udo Lattek beerbt. Am Ende stand ein ernüchternder 11. Platz. Dass diese Horrorserie aber schon eine Weile her ist, zeigen einige Namen aus dem damaligen BVB-Kader: Im Tor stand ein gewisser Jens Lehmann, weitere Spieler waren Jürgen Kohler, Andi Möller oder Heiko Herrlich, der heute Bayer Leverkusen trainiert.

Platz 3-5: Werder Bremen in der Saison 2011/12

Für die laufende Saison würde man an der Weser einen 9. Platz am Ende sicherlich sofort unterschreiben. Auf diesem Rang beendete man auch die Saison 2011/12. Aber damals hätte sich das mit dem Unterschreiben sicher etwas anderes dargestellt, schließlich wäre soviel mehr drin gewesen! Nach der Hinrunde und 29 gesammelten Punkten stand man schließlich auf einem starken 5. Rang. Weil aber nur magere 13 Punkte in der Rückrunde hinzukamen (16 Punkte weniger als in der Hinrunde), kam man im Niemandsland der Tabelle ins Ziel. Noch ein paar Spieler aus dem damaligen Kader von Thomas Schaafs Mannschaft zur Einordnung gefällig? Tim Wiese, Per Merteacker, Marko Marin und Markus Rosenberg.

Platz 3-5: Eintracht Frankfurt in der Saison 2016/17

Auch der Eintracht aus Frankfurt ist es schon unterlaufen, in der Rückrunde 16 Punkte weniger zu holen als in der Hinrunde. Und das war gerade erst in der letzten Saison 2016/17! Nach 29 Punkten und Platz 6 war man nach 17 Spielen noch auf Europapokal-Kurs. Es kamen aber nur 13 Punkte hinzu in einer Rückrunde, in der die Hessen die schlechteste aller Mannschaften stellten. Die Anzahl der Gegentore in der Rückserie (28) hatte sich im Vergleich zur Hinrunde (15) fast verdoppelt. Am Ende stand ein 11. Platz im Niemandsland der Tabelle zubuche.

Platz 2: Eintracht Frankfurt in der Saison 2010/11

Und wir sind wieder bei der Eintracht. Doch dieses Mal wird es noch viel schlimmer! Einige von euch können sich vielleicht daran erinnern, dass Heribert Bruchhagen, damals Vorstandsvorsitzender bei den Hessen, Ende 2010 verlauten ließ, man könne mit 26 Punkten auf dem Konto nicht mehr absteigen und dürfe deshalb ruhig mal einen Blick auf das internationale Geschäft riskieren. Immerhin stand man auf Tabellenplatz 7. Was dann folgte, war eine Talfahrt, die ihresgleichen sucht und Bruchhagen wurde auf bitterste Weise eines Besseren belehrt: In der Rückrunde sammelten die Frankfurter nur noch magere 8 Pünktchen (18 weniger als in der Hinrunde) bei nur einem einzigen Sieg. Am Ende stand Platz 17 und der Abstieg in die 2. Liga. Wie schon beim BVB (s. o.) war mal wieder Michael Skibbe beteiligt, der aber immerhin auch schon seinen Beitrag zur respektablen Hinrude leistete. Ende März verpflichtete man Christoph Daum als Skibbe-Nachfolge, ein Maßnahme, die bekanntermaßen krachend scheitern sollte. Auf dem Feld standen damals beispielsweise Oka Nikolov, Caio oder Theofanis Gekas und mussten den bitteren Gang in die 2. Liga antreten.

Platz 1: 1860 München in der Saison 1998/99

Wir müssen schon ins vergangene Jahrtausend zurückblicken, um die größte Verschlechterung einer Bundesligamannschaft nach der Hinrunde nachzuvollziehen. Sie betrifft zudem einen Verein, der mittlerweile in der viertklassigen Regionalliga Bayern kickt. 1860 München holte in der Hinrunde der Saison 1998/99 starke 31 Punkte und überwinterte auf Rang 4. Nach Platz 13 in der Abschlusstabelle der Vorsaison durchaus eine Überraschung. Zu dem Zeitpunkt durfte man sich noch berechtigte Hoffnungen auf das internationale Geschäft machen. Da man in der Rückrundentabelle mit 10 Punkten (21 weniger als in der Hinrunde) aber den letzten Platz belegte, sprang am Ende dieser Spielzeit nur Platz 9 heraus. Da dürfte der damalige Trainer Werner Lorant in der Rückrunde sicher den ein oder anderen seiner berühmten Wutausbrüche gehabt haben. In der besagten Saison schnürten u. a. Marco Kurz, Harald Cerny, Horst Heldt, Miroslav Stevic oder Bernd Hobsch ihre Schuhe für die Münchner Löwen. Übrigens konnte diese verkorkste Rückrunde durchaus als Ausrutscher gewertet werden: In der Folgesaison 1999/2000 kam man auf Rang 4 ins Ziel und qualifizierte sich dann doch für das internationale Geschäft.

Ihr seht, es kann noch einiges passieren. Selbst dann, wenn euer Team eine starke Hinrunde gespielt haben sollte. Das, was ich hier aufgeführt habe, sind aber natürlich Extremfälle. Dass diese aber nicht zwangsläufig weit zurückliegen müssen, zeigt der Einbruch von Eintracht Frankfurt aus der Saison 2016/17. Im nächsten Artikel schauen wir uns dann einige positive Beispiele an, also Mannschaften, die sich besonders stark verbessern konnten nach der Hinrunde. Das Kuriose dabei: zwei der Teams, die in diesem Artikel hier bereits erwähnt wurden, werden auch dann wieder auftauchen. Seid gespannt!

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