Hinrundenrückblick 2018/19 | Teil 2: Platz 1 bis 9

Zuletzt haben wir uns angesehen, was so über die Hinrunden der Teams auf den Plätzen 10 bis 18 zu sagen ist. Heute begeben wir uns in die obere Tabellenhälfte, wo es nicht weniger interessante Fakten und Überraschungen gegeben hat. Schließlich haben wir seit einigen Jahren mal wieder einen anderen Herbstmeister als den FC Bayern …

Platz 1: Borussia Dortmund (42 Punkte, 44:18 Tore)

Was für eine Hinrunde der Borussia! Nur ein einziges Mal hat man nach 17 Spielen noch mehr Punkte gesammelt, nur ein einziges Mal hatte man nach 17 Spielen noch mehr Siege auf dem Konto. Das war beides beim letzten Mal, als der BVB die Herbstmeisterschaft feiern durfte – nämlich in der Saison 2010/11, in der Dortmund auch letztmals Deutscher Meister wurde. Zu Beginn der aktuellen Saison stotterte der Motor auf fremdem Platz noch ein wenig (2 Unentschieden aus den ersten beiden Auswärtsspielen), aber auch dort platzte schon bald der Knoten. Aus den 11 Spielen von den Spieltagen 5 bis 15 holte man bärenstarke 10 Siege und 31 von 33 möglichen Punkten. Umso überraschender setzte es dann an Spieltag 16 die erste Niederlage für die Schwarz-Gelben, und das ausgerechnet beim Aufsteiger Düsseldorf. Betrachtet man die nackten Zahlen, steht der BVB einfach völlig zurecht dort oben: Von 44 geschossenen Toren können die Konkurrenten aus München oder Gladbach nur träumen, aber auch die Defensive ist stabil. Der Wert von 18 Gegentoren kann nur noch von RB Leipzig getoppt werden. Da die Bayern zum Ende der Hinrunde aber doch wieder einige Siege in Serie gefeiert haben und man sich nicht so richtig vorstellen kann, dass Dortmund einen großen Einbruch erleidet, können wir uns vermutlich endlich mal wieder auf ein richtig spannendes Rennen um die Meisterschaft gefasst machen.

Platz 2: Bayern München (36 Punkte, 36:18 Tore)

Man könnte ganze Bücher über diese Hinrunde des deutschen Rekordmeisters schreiben, ich versuche mich aber kurz zu fassen. Dabei sah anfangs eigentlich alles so aus wie immer: 4 Siege gab es aus den ersten 4 Spielen gegen Hoffenheim, Stuttgart, Leverkusen und Schalke. In der Mitte der Hinrunde kam aber der große Durchhänger: In den 8 Partien vom 5. bis zum 12. Spieltag gab es für die Münchener lediglich 2 Siege, 3 Unentschieden und 3 Niederlagen. In der virtuellen Tabelle dieses genannten Zeitraums stand der FCB auf Rang 11! Vor allem in der heimischen Allianz Arena offenbarten die Bayern ungewohnte Schwächen: Ganze 4 Heimspiele hintereinander – oder anders ausgedrückt: von Mitte September bis Anfang Dezember – gab es keinen einzigen Dreier (1:1 gegen Augsburg, 0:3 gegen Gladbach, 1:1 gegen Freiburg und 3:3 gegen Düsseldorf). Nun steht man also bei 36 Punkten, das sind zu diesem Zeitpunkt der Saison so wenige wie seit 8 Jahren nicht mehr. Und selbst der Aufsteiger Düsseldorf hat, genau wie der FC Bayern, 4 Heimsiege auf dem Konto. Dennoch beträgt der Abstand auf Dortmund „nur“ 6 Punkte, was einer dann doch wieder irgendwie beeindruckenden Serie von zuletzt 5 Siegen aus 5 Spielen zu verdanken ist. Sonst hat übrigens niemand in der Liga die volle Punktzahl aus den letzten 5 Partien geholt. Tja, die Bayern eben …

Platz 3: Bor. Mönchengladbach (33 Punkte, 36:18 Tore)

Die wenigsten von uns waren wohl schon geboren, als Gladbach mehr Siege nach 17 Spielen feiern konnte als in der laufenden Spielzeit. Dazu müssen wir nämlich bis in die Saison 1976/77 zurück! Damals wurde die Borussia zum 3. Mal in Folge (und letztmals) Deutscher Meister und traf auf dem Weg  zum Titel unter anderem auf den 1. FC Saarbrücken, Tennis Borussia Berlin oder Rot-Weiß Essen – das nur mal zur Einordnung. Der Grundstein für dieses bärenstarke Ergebnis liegt eindeutig in der Heimstärke der Fohlen: Als einziges Team der Liga konnte man sämtliche Heimspiele der Hinrunde gewinnen und das bei gerade mal 3 Gegentoren (Liga-Bestwert). 8 Heimspiele mal 3 Punkte macht schon mal 24. Auswärts hingegen stellt man eher Mittelmaß dar, daran ändert auch der 3:0-Auswärtscoup in München wenig. Schließlich gab es sonst nur einen einzigen weiteren Dreier auf fremdem Platz. Zum Vergleich: Teams wie Freiburg, Mainz oder Augsburg, die sich in anderen Gefilden der Tabelle aufhalten, haben auch 2 Auswärtssiege zustande gebracht. Es wird spannend sein zu sehen, wie sich das bei den Gladbachern in der Rückrunde entwickelt: Kann man die harmlosen Auftritte auf fremdem Platz abstellen, greift man endgültig ganz oben an. Oder beginnt man auch zu Hause zu schwächeln? Dann droht das Abrutschen ins Mittelmaß.

Platz 4: RB Leipzig (31 Punkte, 31:17 Tore)

Eine solide Hinrunde ist es, die die Sachsen mal wieder spielen. Solide vor allem in Bezug auf die Defensive, denn Leipzig stellt den besten Abwehrverbund der Liga mit gerade mal 17 Gegentoren. Und wo wir schon beim Stichwort „solide“ sind: Das trifft insbesondere auf die Leistungen von RB vor dem heimischen Publikum zu – Man verlor noch kein einziges Heimspiel. Dazu muss man aber sagen, dass die dicksten Brocken der Liga auch erst in der Rückrunde zu Gast sein werden. Auswärts hingegen holten die roten Bullen gerade mal 8 Punkte aus 8 Spielen. Gerade zum Ende der Hinrunde wurde diese Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtspartien sehr gut deutlich: Die letzten 4 Heimspiele vor der Winterpause wurden alle gewonnen, die letzt 3 Auswärtsspiele gingen alle verloren – und das, ohne dabei ein einziges Tor zu erzielen. Auch hier darf man wirklich gespannt sein, wo die Reise hingeht. Wenn die Heimstärke auch in der Rückrunde Bestand hat, ist der internationale Wettbewerb für RB auf jeden Fall drin.

Platz 5: VfL Wolfsburg (28 Punkte, 27:22 Tore)

Der VfL spielt endlich mal wieder eine solide Hinrunde, nachdem man zum Ende der letzten beiden Spielzeiten den Klassenerhalt erst in der Relegation unter Dach und Fach gebracht hatte. 28 Punkte (oder mehr) nach 17 Spielen: Das gibt es in der Autostadt in diesem Jahrtausend gerade erst zum 4. Mal. 16 dieser Punkte, also mehr als die Hälfte davon,  holte man dabei auf fremdem Platz, in der Auswärtstabelle steht der VfL hinter Bayern und Dortmund auf Rang 3, was unter anderem Siegen in Leverkusen oder Frankfurt zu verdanken ist. Zu Hause sieht es etwas anders aus, in der Heimtabelle stehen die Wölfe nur auf Position 12 (3 Siege, 3 Unentschieden, 3 Niederlagen). Gerade in den Spielen vor der Winterpause wurde die Wolfsburger Mannschaft aber immer besser, holte aus den letzten 6 Spielen 16 von 18 möglichen Punkten. Nimmt man diesen Schwung mit in die Rückrunde, kann man am Ende der Saison womöglich sogar mal wieder den Einzug in den internationalen Wettbewerb feiern statt wieder mal in die Verlängerung zu müssen.

Platz 6: Eintracht Frankfurt (27 Punkte, 34:23 Tore)

Nein, mit der Eintracht wurde es in dieser Hinrunde gewiss nicht langweilig. Nach einem holprigen Start (nur ein Sieg und Rang 15 nach 5 Spielen) folgte eine bärenstarke Phase, die bis Ende November andauerte: Aus den 7 Partien zwischen den Spieltagen 6 und 12 holte man 19 von 21 möglichen Punkten. Kein Team war in diesem Zeitraum besser, lediglich der Primus aus Dortmund konnte da mithalten. Man darf dabei nicht vergessen, dass die Hessen ganz nebenbei sensationell all ihre sechs Vorrundenspiele in der Europa League gewannen. Gerade vor dem Hintergrund dieser Doppelbelastung hatten wohl die wenigsten der Eintracht eine so solide Hinrunde zugetraut. Vor allem die Offensive sorgte oftmals für Furore: Der Wert von 34 Toren wird nur von den Top 3 der Liga noch übertroffen. Aus den letzten 5 Spielen vor der Winterpause gab es für die Eintracht nur noch einen Sieg, was dann vielleicht doch der Belastung durch die Euro League geschuldet war. Es kann durchaus sein, dass man in der Bankenmetropole die Winterpause herbeigesehnt hat. Es spricht aber nach dieser Hinrunde einiges dafür, dass die Frankfurter ab Spieltag 18 wieder voll angreifen. Schließlich macht ihnen der internationale Wettbewerb doch so viel Spaß.

Platz 7: TSG Hoffenheim (25 Punkte, 32:23 Tore)

Bei dieser Hinrunde der Hoffenheimer kommt man nicht drum herum, über Unentschieden zu sprechen. Von denen hat nämlich keine Mannschaft so viele gesammelt wie die TSG. 7 Stück sind es bislang an der Zahl. Und was nun wirklich einzigartig dabei ist: 6 von diesen 7 Unentschieden setzte es in den letzten 6 Spielen vor der Winterpause. So kam es auch zustande, dass die Kraichgauer erst 3 Heimsiege bejubeln durften, genauso viele wie Schalke (Rang 13) oder Stuttgart (Rang 16). An dieser Stelle würde ich sonst gerne noch auf ein paar Ausreißer in Sachen Torverhältnis, Heim- oder Auswärtstabelle hinweisen, aber sowas gibt es dieses Mal nicht wirklich in Hoffenheim. 7 Unentschieden sei Dank!

Platz 8: Hertha BSC Berlin (24 Punkte, 26:27 Tore)

Die Hertha aus Berlin ist richtig stark in diese Saison gestartet: 10 von 12 möglichen Punkten gab es aus den ersten 4 Spielen, nach dem 9. Spieltag hatte man erst ein einziges Spiel verloren. Im eigenen Stadion feierte man unter anderem Siege gegen Gladbach (4:2) und die Bayern (2:0). Von den folgenden 7 Spielen gewann die Hertha dann aber nur ein einziges, überhaupt kamen nur noch 2 weitere Siege dazu. Bleibt am Ende festzuhalten: Hertha hat stark begonnen und dann stark nachgelassen, hat nun eine Bilanz von 6 Siegen, 6 Unentschieden und 5 Niederlagen. Das ist der Stoff, aus dem das Niemandsland der Tabelle gemacht ist.

Platz 9: Bayer Leverkusen (24 Punkte, 26:29 Tore)

Es war eine turbulente Hinrunde in Leverkusen, auf wie abseits des Platzes. Nach einem holprigen Start und 3 Niederlagen aus den ersten 3 Spielen schien man sich durch die beiden Siege gegen Mainz und in Düsseldorf wieder gefangen zu haben. Es folgten bis zum 11. Spieltag dann aber wiederum 6 Spiele mit nur einem einzigen Dreier. Vor allem zu Hause taten sich Schwierigkeiten auf, die man so nicht kannte bei der Werkself. Aus den ersten 5 Heimspielen in dieser Saison gab es nur diesen einen besagten Sieg gegen Mainz. Zum Glück aus Leverkusener Sicht änderte sich das gegen Ende der Hinrunde aber schlagartig: Aus den letzten 6 Spielen vor der Winterpause holte man starke 13 Punkte, nur Bayern, Wolfsburg und Dortmund waren im Endspurt besser. Dieses Aufatmen vor der Pause war übrigens auch 3 aufeinanderfolgenden Heimsiegen zu verdanken, die Heimstärke scheint erstmal zurück. Man darf gespannt sein, ob die Rückrunde für Bayer 04 unter neuem Trainer ebenso von Aufs und Abs geprägt sein wird wie diese Hinserie …

Und das war er, der Rückblick auf die Hinrunde der Saison 2018/19! Ich hoffe, dass ich euch ein paar trockene Zahlen ein wenig unterhaltsam verpacken konnte und dass ich hier und da vielleicht sogar für ein wenig Verblüffung und Aha-Momente sorgen konnte.

P.S. Die Rückrunde startet am Freitag, den 18. Januar mit der Partie zwischen der TSG Hoffenheim und Bayern München. Genießt die bundesligafreie Zeit bis dahin!

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